
Das hätte sich der Nikolaus auch nicht gedacht. Schon zum zweiten Mal blieben ihm corona-bedingt die Haustüren der ZfsA-Wohngruppen versperrt. Doch natürlich lässt sich ein echter Nikolaus davon nicht aufhalten und so zog er mit seinem eindrucksvollen Gefolge samt Pony Alwi einfach zur Gartentüre ein. Dann wurde es allerorts spannend. Was hatte sich Bischof Nikolaus wohl im goldenen Buch über jedes einzelne Kind notiert? Zum Glück zeigte sich der rotgewandete Schutzpatron der Kinder zwar streng, vor allem aber gutmütig. Vielleicht stimmte ihn auch die gute Bewirtung mit Punsch, Kakao, Kaffee und selbstgebackene Plätzchen besonders milde. An so manchem Lagerfeuer oder in fröhlicher Liederrunde wäre er bestimmt gerne noch geblieben, aber es galt sich zu sputen, um keine Gruppe des ZfsA am Nikolausabend auf sein wohlklingendes Ho-Ho-Ho warten zu lassen.

LGBT* – dieser Begriff ist in Deutschland noch erklärungsbedürftig. Er steht für lesbisch, schwul, bisexuell und transgender – kurz für geschlechtliche Vielfalt und Offenheit. Dass das ZfsA Burtscheid am 1. Juli in Stolberg Zweifall eine LGBT*-Wohngruppe für sechs Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 17 Jahren eröffnet, ist deshalb nicht nur ein weiteres intensiv-pädagogisches Angebot des Zentrums, sondern auch ein Signal an und in die Gesellschaft. Denn es gibt viel nachzuholen, was den Schutz, die Förderung und die Teilhabe von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen betrifft, deren sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität von der gesellschaftlichen Norm abweicht. Ausgrenzungs- und Diskriminierungserfahrungen sind alltäglich und gehören fast immer zu ihren Biografien. Die ZfsA-Wohngruppe MORE* will jungen Menschen deshalb einen sicheren Ort bieten, an dem sie sich erfahren und entwickeln können, ohne auf ihre geschlechtliche Identität reduziert zu werden. Ein „Mehr“ ganz einfach an Normalität für Diversität, auch im Setting der stationären Kinder- und Jugendhilfe.



